Pressetexte


Vom Ankerplatz aus in den Pub

Welt am Sonntag - Daniel Hautmann

Irland bietet ein vielseitiges, riesiges Binnenrevier. Freizeitskipper fahren entlang an sanften Hügeln und saftigen Weiden. Und die Abende kann man oft in einem gemütlichen irischen Pub verbringen

Mit vollem Körpereinsatz stemmt sich Declan gegen den riesigen Balken. Behäbig bewegt sich das Schleusentor. Heute ist es besonders mühsam, statt typisch irischem Nieselregen brennt die Sonne. Während sich Declan die Schweißperlen von der Stirn wischt, steigt das Wasser, langsam heben sich die Boote, erreichen das Niveau, auf dem es weitergeht. Weiter auf dem Camlin-River, der sich durch grünes Weideland windet. Declan winkt, wünscht gute Fahrt.

Irland per Boot ? Die grüne Insel ist von zahlreichen Seen, Flüssen und Kanälen durchzogen, sie verwandeln sie in ein vielseitiges Wasersport-Revier. Irlands längster Fluss, der Shannon, ist auf einer Länge von 215 Kilometern schiffbar. Er gilt als das Herzstück aller irischen Binnengewässer, die zusammen rund 1000 Kilometer lang sind. Da es hier praktisch keine kommerzielle Schifffahrt gibt, haben Freizeitkapitäne freie Fahrt. Und die nutzen sie auch. Ausgediente Bargen haben sich handwerklich begabte Iren zu gemütlichen Unterkünften ausgebaut. Aber auch zahlreiche Segel- und Motorboote sind auf dem Wasser.

Einer jener Freizeitkapitäne ist Brandan McCormack, ein geselliger Rentner, der im blauen Polohemd auf der Pier steht. Auf seiner Motoryacht verbringt er jede freie Minute, schon seit 25 Jahren macht er das, wie er selbst sagt. So einer hat natürlich eine Menge Seemannsgarn auf der Spule.

Auf dem Wasserweg lässt sich selbst Dublin besuchen. Der Royal und der Grand Canal, die erst kürzlich modernisiert wurden und von Westen Richtung Hauptstadt fließen, schwemmen Boote aus dem ganzen Land an. "Du könntest mit dem Boot durch ganz Irland fahren", sagt Charles Lawn. Der "Insepector of Navigation" vom Verband "Waterways Ireland" sitzt im Kapitänshemd in seinem Büro in Athlone, einem der größeren Städtchen entlang des Shannon-River, den er fest im Blick hat. Jedes Hausboot, das den Shannon befährt, kommt irgendwann an seinem Büro vorbei.

Insgesamt sind in Irland rund 7000 Boote registriert, 500 davon sind Hausboote, die von verschiedenen Anbietern verchartert werden. Unter Hausboot-Urlaubern erfreut sich die Insel großer Beliebtheit, die Boote dürfen ohnen Führerschein gesteuert werden, praktisch sämtliche Reviere sind für ungeübte Seeleute sicher zu befahren, da es weder starke Strömungen noch sonstige Gefahren gibt. Einzige Herausforderung: die teils sehr engen Schleusen, von denen es etliche gibt. Ungeübte Skipper geraten hier schon mal in Hektik, wie Schleusenwärter Tom MacGarry sagt. Der 37jährige erzählt von enier Familie, die in den Victoria-Schleuse, am südlich Shannon, bei den Betrachtern am Ufer für Schmunzeln sorgte : Als der Skipper sein Hausboot an der Schleusenmauer festmachen wollte, verlor er das Gleichgewicht und plumpste ins Wasser. Als seine Tochter kreischend zu ihm rannte, stolperte sie und landete ebenfalls in der Brühe. "Wehgetan haben sie sich nicht", sagt Tom Mac Garry, der seit 13 Jahren die hydraulischen Tore der Schleuse steuert. Schon sein Vater machte diese Arbeit, die Mac Garrys lieben diesen Job : "90 Prozent der Leute sind gut drauf, sie haben Urlaub." Natürlich sagt er nicht Nein, wenn ihm einer der Urlauber zusätzlich zur Schleusengebühr von 1,50 EUR ein Guiness-Bier in die Hand drückt.

Szenenwechsel. Nur wenige Meilen flussaufwärts taucht die Klosterruine Clonmacnoise am Ufer auf. Im 6. Jahrhundert gegründet, entwickelte sich die Ansiedlung auf Grund der zentralen Lage zu einem wichtigen Handelszentrum. Heute sind die Ruinen eine der beliebtesten Toursitenattraktionen Irlands. Wer mit dem Boot kommt, sieht die Kirchen, Türme
und Steinkreuze aus der malerischsten Perpesktive und kann direkt nebenan am Anleger übernachten. Wer es noch ruhiger mag und allein sein will, der findet stromaufwärts, am Lough Ree, einem der großen Seen, herrliche schilfbewachsenen Buchten zum Ankern. Doch Vorsicht, bei Stürm türmen sich auf dem See beachtliche Wellen auf. In einer Marina schläft es sich dannw wesentlich ruhiger. Zudem ist es dann auch näher in einen der landestypischen Pubs, wie etwa Killeen's im Örtchen Shannonbridge. Hier versammeln sich am frühen Abend sämtliche Hobby-Skipper, Hausboot-Urlauber und Einheimische. Oft spielen Folkbands, und oft dauern die Abende bis zum Morgen. Wäre Declan, der Schleuser, hier, er bekäme für seine schweißtreibende Arbeit die meisten Pints Guinness spendiert.

Infoa:

Hausboot ab 605 EURO
Bei verschiedenen Anbietern können führerscheinfreie Hausboote gemietet werde. Die größte Flotte hat mit 197 Schiffen die zu Le Boat gehörende Marke Esmerald Star. Basen sind in Carrick-on-Shannon, Portumna und Belturbet.
Ab 605 EUR je Woche (für das 2-Personen-Boot "Town Star") lässt sich Irland mit dem Hausboot auf dem Wasserweg erkunden. Empfehlenswert ist die Anmietung von Fahrrädern. So lassen sich Sehenswürdigkeiten bequem erreichen. Zu den schönsten Abschnitten zählt der 214 Kilometer lange Shannon-River, der auch die beiden großen Seen Lough Reee und Lough Derg durchfließt.


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